Mittelalterhandwerk
Handwerk hat goldenen Boden
Das Wort Handwerk: ursprünglich eine gewerbliche Tätigkeit, die mittels der Hand oder in Verbindung mit einfachen Werkzeugen und Materialien durchgeführt wurde. Sie hatte zum Ziel, Gegenstände herzustellen und mit Gewinn zu verkaufen. Das Handwerk erreichte im Mittelalter die höchste Blüte. Doch Handwerksarten wie Seifensiederei und Schuhmacherei verschwanden später infolge der Industrie und das Handwerk geriet Ende des 18. Jahrhunderts in eine Krise, als die fabriksmäßige Massenerzeugung entwickelt wurde. Eigene Handwerkskammern und eine allgemein gültige Gewerbeordnung konnten im Mittelalter noch nicht durchgesetzt werden, ebenso wenig urheberrechtliche Schutzvorschriften.
Trotzdem schlossen sich schon im Mittelalter zahlreiche einzelne Handwerker zu einem Bund zusammen: Zunft oder auch Gilde genannt. Heute wird hierfür der Begriff Innung genutzt. Die Zünfte, genossenschaftliche Organisationen, hatten eigene Regeln und kontrollierten die in den Städten lebenden Handwerker. Hier wurden die Qualität, die Preise, die Arbeitszeiten und die Ausbildung überwacht. Es galt, die Standesehre und Sitte zu bewahren. Es gab eine feste Zunftordnung mit Meistern, Gesellen und Lehrlingen. Die Mitglieder konnten auch politische Bedeutung, z. B. durch Mitgliedschaft im städtischen Rat erreichen. Auch hatten sie die Verpflichtung, sich sozial, religiös, kulturell und militärisch zu betätigen. Die Zünfte pflegten eigene Bräuche, zu denen u. a. auch der Schäfflertanz und der Metzgersprung in München gehören. Die Wappen der Zünfte enthalten jeweils das betreffende Handwerk.
Die Handwerker waren im Gegensatz zu anderen Berufen wie etwa Bauern in jener Zeit freie Leute. Das Handwerk wurde einst als Nebenarbeit angesehen, doch durch den immer größer werdenden Handel, der von außen Neues brachte, wurde das Handwerk schließlich selbstständig.
1438 erreichten die Handwerker, dass ihr Beruf als eine eigenständige Berufsgruppe angesehen wurde. Einige Städte im In- und Ausland wurden durch ihre Handwerkskunst sogar weltberühmt. Als Geselle ging der Handwerker auf Wanderschaft – man nannte das auch „auf der Walz“. Wanderhandwerker verbreiteten die spezifischen Kenntnisse in der ganzen Welt. Sie schildern auch in ihren Handwerksliedern das Leben der Zünfte und die Erlebnisse auf der Wanderschaft. Heute finden wir in städtischen Museen mittelalterliche Handwerkskunst aller Sparten.
Beispiele Handwerkberufe:
Bäcker, Fischer, Fleischer, Kürschner, Schmied, Sattler, Töpfer, Dachdecker, Maurer, Schreiner, Schlosser, Schuhmacher, Maler, Müller, Leineweber, Holzhandwerker
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